Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland
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Sprachspieler und Erzähler des 20. Jahrhunderts

Eine Matinee zum Andenken an Ludwig Harig mit einem zweiteiligen Dokumentarfilm von Karl Prümm und Herbert Stang aus dem Jahr 2018.

1. Ludwig Harig - Weltpoet aus Sulzbach (Ausschnitt - 20 min.) 2. "Ich kann nichts ungeschehen machen. Ich kann nur davon erzählen". Weh dem, der aus der Reihe tanzt. Ludwig Harigs Roman über seine Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus (78 min.) Beide Filme entstanden im Auftrag des Landesinstituts für Pädagogik und Medien.

Am 05. Mai jährte sich der Todestag von Ludwig Harig zum ersten Mal. Jetzt zeigt sich, wie aktuell und lebendig seine Texte sind. Seine Hörspiele werden immer wieder gesendet, sein 1990 zum ersten Mal erschienener autobiografische Roman Weh dem, der aus der Reihe tanzt ist in diesem und im kommenden Schuljahr Pflichtlektüre in den saarländischen Gymnasien. Das Saarländische Staatstheater Saarbrücken bereitet eine Bühnenfassung des Romans vor.

In einem 20minütigen Ausschnitt aus dem 1. Teil des kurz vor Harigs Tod fertiggestellten Dokumentarfilms erläutert der Autor eindringlich seine ganz eigenen Schreibtechniken. Augenblickseinfälle, Fundstücke und Zitate collagiert er im Stil der klassischen Moderne zu einem präzise rhythmisierten Sprachspiel. Es sind dies die letzten Filmaufnahmen mit Ludwig Harig überhaupt. Der 2. Teil wird vollständig gezeigt. Er konzentriert sich ganz auf den Roman Weh dem, der aus der Reihe tanzt, der ein einzigartiges Erinnerungsdokument darstellt. Schonungslos bekennt Harig, der Trommler bei der Hitler-Jugend und Zögling einer NS-Eliteschule war, ein gläubiger und fanatischer Nazi gewesen zu sein, selbst bis in die letzten Kriegstage hinein. Die Stationen der Verführung und der Selbstradikalisierung werden genau erzählt, aber auch die Befreiung von der wahnhaften Ideologie. Mit weitgehend unveröffentlichten Fotografien wird die Atmosphäre der kleinen Industriestadt Sulzbach in den 1930er Jahren eingefangen, die Familiengeschichte der Harigs rekonstruiert, die Prozesse der Erinnerung und des Erzählens beleuchtet.

 

Prof. Dr. Karl Prümm (Buch und Regie) ist 1945 in Illingen/Saar geboren, hat 1974 an der Universität des Saarlandes promoviert und wirkte von 1970 bis 2010 als Literatur- und Filmwissenschaftler an den Universitäten Bonn, Siegen, FU Berlin und Marburg. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte, Ästhetik und Theorie der Literatur, der Fotografie, des Films, des Radios und des Films vorgelegt.

Herbert Stang (Kamera, Ton und Schnitt) ist 1948 in St. Ingbert-Rentrisch geboren. Er wirkte 36 Jahre als Realschullehrer in Sulzbach. Ab 1991 Mitwirkung am Aufbau einer Abteilung für audiovisuelle Medien des Landesinstituts für Pädagogik und Medien. Als Filmemacher Realisierung zahlreicher Videoproduktionen für die Bildungsarbeit, beispielsweise " Georg Büchners Lenz" und "Literarische Spaziergänge in Saarbrücken" zu den Spuren von Dichtern in der Landeshauptstadt.

 

 

Die Matinee findet am Sonntag, den 02. Juni um 11 Uhr im Filmhaus Saarbrücken, Mainzer Str. 8 statt. Der Eintritt ist frei